Depressionen
Trotz Wohlstand, Berufskarriere und
geordneten Lebensverhältnissen sehen manche Menschen ihr Leben als eine einzige
Last an. Die eigene Person, die ganze Welt und Zukunftsperspektiven werden
negativ eingeschätzt, vom Leben wird nichts Positives mehr erwartet.
Die Depression ist eine Erkrankung, die in unserer Zeit immer häufiger auftritt.
Jeder zweite Mensch hat mindestens einmal im Leben eine Depression gehabt und
immer mehr Menschen erkranken daran.
Leider ist diese Krankheit allem Anschein nach im Zunehmen begriffen.
Die verschiedenen Formen der Depression haben unterschiedliche Ursachen und sind
daher unterschiedlich zu behandeln. Es wurden verschiedenste Therapien zur
Behandlung der Depressionen entwickelt
Definition: lat., “Niederdrückung”, in der Psychologie und Psychopathologie
Stimmung der Niedergedrücktheit, die entweder bloß affektiv oder konstitutionell
und als solche von charakterologischer Bedeutung ist. Psychiater unterscheiden
sekundäre (motivierte) und primäre (unmotivierte) Depression.
(Das moderne Lexikon. Verlagsgruppe Bertelsmann)
Das Wort “Depression” leitet sich von “deprimere” ab. Übersetzt bedeutet es
herab- oder niederdrücken, aber auch “in die Tiefe gehen”, “nach etwas graben”.
Abgrenzung der Depression von der Trauer und der Melancholie
Der Begriff Depression wird in der heutigen Zeit sehr häufig verwendet, was dazu
führt, daß alle möglichen Reaktionen auf Schwierigkeiten, Krisen oder
Verlusterlebnisse als “Depressionen” bezeichnet werden.
Ein depressiver Mensch kann sich jedoch über nichts mehr freuen, er hat sein
Vertrauen in sich und seine Mitmenschen verloren und ist nicht mehr fähig,
Entschlüsse zu fassen. Ein trauriger oder melancholischer Mensch ist zu all dem
aber noch imstande.
* Trauer
Der Begriff Trauer wird dann verwendet, wenn ein Verlusterlebnis vorausgesetzt
werden kann.
Dieses kann sich ausdrücken durch den Tod einer nahestehenden Person, durch
Trennung eines geliebten Menschen, aber auch bei Verlust des Arbeitsplatzes.
Auf solche Situationen reagieren Menschen mit Trauer, die in einem
Erschöpfungszustand endet. Oft wirkt sich dieser Erschöpfungszustand auch
körperlich aus, zum Beispiel in Schlafstörungen, Eßstörungen...
Zum Unterschied zur Depression sieht der Trauernde bald wieder Hoffnung, er
steckt sich neue Ziele und kann den Verlust verarbeiten.
Der depressiv Kranke findet im Gegensatz kein neues Ziel mehr, auf das er
hinarbeiten könnte.
* Melancholie
Melancholie wird eher als ein Persönlichkeitsmerkmal angesehen. Zurückgezogene,
traurige Menschen, die oft als sehr ruhig und nachdenklich bezeichnet werden,
bezeichnet man als melancholisch.
VERTEILUNG DEPRESSIVER MENSCHEN: MÄNNER - FRAUEN
Frauen erkranken circa doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, was
verschiedenste Ursachen haben kann.
Man nimmt an, daß vor allem hormonelle Störungen die höhere Depressionsrate von
Frauen erklären können, da sie starken Hormonschwankungen ausgesetzt sind. Diese
können ihre psychische Verfassung beeinflussen, müssen es aber nicht.
Zum Beispiel:
Depressionen nach der Geburt eines Kindes
Unmittelbar nach der Geburt eines Kindes verfallen viele Mütter in Depressionen,
d.h. sie fühlen sich müde, schlapp und haben an nichts Interesse, auch nicht an
ihrem eigenen Baby. Diese Frauen entwickeln deshalb Schuldgefühle, da sie ihr
Kind doch eigentlich lieben sollten. Dadurch verschlechtert sich ihre Stimmung
noch mehr. Nach einigen Tagen bis Wochen verschwindet diese Depression jedoch
wieder.
Erklärt wird dieses Phänomen anhand der enormen Hormonumstellung, die nach der
Geburt eines Kindes stattfindet.
VERSCHIEDENE ARTEN DER DEPRESSION
Anaklitische Depression
Die anaklitische Depression wird auch Säuglingsdepression benannt.
Verliert ein Säugling seine Bezugsperson, ohne eine adäquate Bezugsperson zu
finden, so reagiert er mit starken emotionalen Veränderungen: er weint sehr
viel, ist unruhig, hat Eß- und Schlafstörungen, bis er völlig apathisch wird.
Schuldepression
Die Schuldepression ist eine reaktive Depression.
Von einer Schuldepression spricht man dann, wenn sich das Kind in der Schule
nicht wohl fühlt, sehr häufig traurig und niedergeschlagen ist. Oft sind diese
Kinder in der Schule überfordert oder werden vom Klassenlehrer abgelehnt.
Sobald jedoch die Ferien beginnen, sind die Kinder fröhlich und ausgelassen.
Larvierte Depression
Die larvierte Depression kann bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten.
Sie ist sehr schwer zu erkennen, deshalb wird sie auch “maskierte Depression”
genannt.
Kinder drücken ihre negative Stimmung vor allem somatisch aus, das heißt sie
haben ständig körperliche Beschwerden, deren Ursachen aber nicht auffindbar
sind.
Verlängerte Trauerreaktion
Fallbeispiel: Annemarie, 41 Jahre alt, ist Mutter von drei Töchtern und
glücklich verheiratet. Vor zwei Jahren verunglückte ihr Sohn im Alter von 18
Jahren bei einem Motorradunfall. Die ganze Familie trauerte um ihn, doch
Annemarie konnte mit der Trauer nicht aufhören. Da sie diesen Zustand nicht mehr
ertragen kann, entschließt sie sich, in eine Behandlung zu gehen.
In der Therapie kam zum Vorschein, daß Annemarie in einer unglücklichen Ehe
aufgewachsen ist. Ihre Eltern gaben ihr nicht die Fürsorge und Liebe, die sie
sich wünschte.
In der Psychoanalyse erkannte sie, daß mit ihrem Sohn die Nähe suchte, die sie
bei ihren Eltern vermißte. Nachdem ihr Sohn jedoch starb, wiederholte sie
unbewußt die Situation ihrer Kindheit.
Während der Behandlung konnte Annemarie schließlich Trauerarbeit bewußt
nachholen, wodurch sie den Verlust ihres Sohnes endlich akzeptieren lernte.
Somatogene depressive Störung
Rund 10 % aller Depressionen sind somatogener Natur.
Die Depression kann in diesem Fall als Sekundärsymptom zu anderen Störungen wie
zum Beispiel bei: Epilepsie
Hirntrauma
Stoffwechselkrankheiten
Störung bei Nierenfunktionen auftreten.
ENDOGENE DEPRESSION
Allgemeines
Die endogene Depression ist eine chronische Depression.
Man nimmt an, daß die Disposition für diese Krankheit vererbbar ist.
Die endogene Depression, auch Melancholie genannt, geht auf eine
Stoffwechselstörung zurück, die eine Verzögerung der Impulsübertragung im
Nervensystem und damit eine Blockierung des vegetativen Nervensystems zur Folge
hat.
Dies wird auch schon im Begriff “endogen” angedeutet, der wörtlich übersetzt
“aus dem Inneren” bedeutet.
Endogene Depressionen sind die Folge von unbekannten internen Prozessen, sie
werden durch keine äußeren Ereignisse gesteuert.
Es wird angenommen, daß die Disposition für Depressionen vererbbar ist.
Ungefähr 20% aller Depressiven leiden unter endogenen Depressionen.
Endogene Depressionen folgen einem zyklischen Verlauf und können in zwei
Variationen ablaufen: bipolar oder unipolar.
Bipolare Depressionen
Bipolare Depressionen werden manisch-depressive Störungen genannt. Das bedeutet,
daß der Patient regelmäßig wiederkehrende Phasen durchläuft: Verzweiflung,
neutrale Stimmung und einen Zustand von Überaktivität, der als Manie bezeichnet
wird. Dann sinkt der Kranke wieder durch die neutrale Stimmung in Verzweiflung.
Die Depression muß aber nicht immer mit Manie auftreten: heute weiß man, daß die
Depression gelegentlich ohne Manie auftreten kann und umgekehrt Manie ohne
Depression auftritt.
Bei bipolaren Depressionen spricht man von einem morgendlichen Pessimum, das
bedeutet, daß die Krankheit am Morgen am stärksten ausgeprägt ist.
Unipolare Depressionen
Unipolare Depressionen äußern sich darin, daß ein regelmäßiger Wechsel zwischen
Niedergeschlagenheit und neutraler Stimmung ohne manische Phasen stattfindet.
Diese Form der Depression ist häufiger anzutreffen, ca. 75% aller Depressiven
leiden an unipolaren Depressionen.
Symptome endogener Depressionen
Der endogen Depressive wird nicht als geisteskranker, sondern als gemütskranker
Mensch beschrieben. Das bedeutet, daß er die Fähigkeit besitzt, seine Krankheit
so gut es geht zu verbergen - zu dissimulieren.
Die endogene Depression unterscheidet sich von allen anderen Depressionen auch
dadurch, daß sie deutliche körperliche Symptome aufweist.
Diese Form der Depression erkennt man an folgenden Merkmalen:
* traurige Verstimmung mit Beharrungstendenzen
* psychische und körperliche Hemmung
* absoluter Pessimismus
* Selbstvorwürfe
* Angst
* hypochondrische Ideen
* körperliche Symptome
* intensive Selbstmordtendenzen
Beharrungstendenz
Bei der Beharrungstendenz handelt es sich um einen Zustand der “anhaltenden
Traurigkeit”.
Die endogene Depression verläuft in einzelnen Phasen, das bedeutet, daß die
Depression langsam oder plötzlich einsetzt und eine Dauer von wenigen Wochen bis
zu einigen Jahren aufweist.
Nach Abklingen der Phase tritt eine völlige Genesung ein. Es ist aber zu
bedenken, daß später neuerliche Phasen auftreten können.
Bei endogenen Depressionen ist auch ein charakteristischer Tagesablauf
festzustellen: am Morgen nach dem Aufstehen ist der Zustand am schlechtesten
(morgendliches Pessimum), fast schon unerträglich, während er sich am Nachmittag
ein wenig bessert.
Am Abend fühlen sich die Patienten oft am besten.
Ein weiteres Merkmal bei der Beharrungstendenz ist der sogenannte “Grübelzwang”,
der sich im Beharren auf traurige Gedanken äußert.
Der endogen Depressive hört auf, seine Umwelt zu betrachten - dieser Zustand
wird auch Hypovigilität genannt.
Weiters ist seine ganze Aufmerksamkeit auf das Innere gerichtet, das er als
negativ erlebt und von dem er nicht loskommt - dieser Zustand wird
Hypertenazität genannt.
Es ist leider kaum möglich, den endogen Depressiven von sich selbst abzulenken.
Psychische und körperliche Hemmung
Die Bewegungen des Patienten verlangsamen sich und seine Muskulatur ist oft
erstarrt. Der Gesichtsausdruck wirkt mit der Zeit “eingefroren”.
Auch im psychischen Bereich geht eine Verlangsamung vor sich: Die Sprache wirkt
gehemmt und verzögert. Assoziationen können fast nicht mehr geschlossen werden,
wodurch auch bald jede Form von Kreativität unmöglich erscheint.
Aus diesem Grund sind viele endogen Depressive der Meinung, sie wären
“verblödet” und geistig geschwächt.
Diesen Zustand kann man sehr gut mit dem Begriff Antriebslosigkeit oder auch
Adynamie definieren. Der endogen Depressive muß sich zu jeder Tätigkeit zwingen,
was ihm große Mühe und Anstrengungen bereitet.
Absoluter Pessimismus
Der Kranke kann keine positiven Gedanken mehr fassen, er sieht alles negativ
besetzt. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit dominiert.
Man spricht auch von einem depressiven Verarmungsgefühl, z.B. sind Millionäre in
dieser Phase davon überzeugt, daß sie all ihr Geld verloren haben.
Endogen Depressive sind nicht mehr in der Lage, positive Meldungen zu glauben.
Auch wenn ein Patient mehrere solcher Phasen hatte, die alle vorübergingen, so
ist er nicht imstande zu glauben, daß auch diese Phase vorübergehen wird.
Trotzdem sollte man immer wieder versuchen, dem Patienten Hoffnung zu geben
(auch wenn er sie nicht annehmen kann).
Selbstvorwürfe
Der endogen Depressive hat jedes Selbstwertgefühl verloren, er hat keine Achtung
mehr vor sich selbst und ist der Meinung, er wäre unfähig. Er traut sich nicht
mehr zu, etwas in die Hand zu nehmen, da er davon überzeugt ist, seinen Aufgaben
nicht gewachsen zu sein.
Er sucht für alles mögliche die Schuld bei sich selbst und macht sich in
weiterer Folge starke Vorwürfe.
Der endogen Depressive erlebt seine Depression nicht als Krankheit, sondern als
Bestätigung seiner Unfähigkeit.
Resultierend aus diesem verlorengegangenen Selbstwertgefühl ist der Patient
unfähig, irgendeinen Entschluß zu fassen. In diesem Zustand sollte man daher
vermeiden, den Depressiven vor Entscheidungen zu stellen.
Angst
In jedem endogen Depressiven ist starkes und sehr gefährliches irrationales
(d.h. vom Gemütszustand abgeleitetes) Angstpotential enthalten.
Man unterscheidet hier zwei Typen:
- Melancholia agitata:
Angst und daraus entstehende Ruhelosigkeit stehen im Vordergrund.
- Melancholia passiva:
Die Hemmung dominiert so, daß man die Angst nicht merkt.
Durch plötzlich ausbrechende Angstanfälle, die Raptus genannt werden, ist
ersichtlich, daß die Angst aber vorhanden ist. Diese Angstanfälle können auch zu
blitzschnellen Selbstmordhandlungen führen.
Hypochondrische Ideen
Diese hypochondrischen Ideen werden durch starken Pessimismus und durch
Schuldgefühle erzeugt.
Der Kranke wird in seinem Gefühl der Auswegslosigkeit bestätigt. Unbewußt
bestraft er sich selbst für sein vermeintliches Versagen.
Der Kranke wird somit in seiner Depression zusätzlich bestärkt.
Solche hypochondrische Ideen sind nur dadurch zu beseitigen, indem die endogene
Depression erfolgreich behandelt wird und abklingt.
Sehr oft stellen sich endogen Depressive vor, an Krebs zu erkranken. In diesem
Stadium ist der Kranke sehr gefährdet, Selbstmord zu verüben.
Körperliche Symptome
Die körperlichen Symptome werden durch Stoffwechselstörungen hervorgerufen.
Am häufigsten sind hier Schlafstörungen zu nennen.
Die Patienten können häufig sehr rasch einschlafen, wachen aber ungewöhnlich
früh auf - ca. um 3 Uhr, 4 Uhr oder 5 Uhr.
Um diese Zeit findet auch der “Höhepunkt” der endogenen Depression statt: der
Patient hat Angstvorstellungen, Grübelzwang, pessimistische Einstellungen und
Selbstmordvorstellungen; weitere Symptome sind Mundtrockenheit, Reduzierung der
Tränenproduktion, Appetitlosigkeit, Verstopfung....
Sehr oft wird von sehr unangenehmen Träumen mit ängstlich-depressivem Inhalt
erzählt - dies beweist, daß die Depression auch im Unbewußten verankert ist.
Intensive Selbstmordtendenz
Durch das Zusammenwirken all dieser verschiedenen Symptome ist es leicht
verständlich, wenn man die endogene Depression als die selbstmordgefährlichste
Erkrankung beschreibt.
Fast ein Drittel aller Suizide werden von endogen Depressiven durchgeführt.
In den Ausführungen wurde das Bild einer voll ausgeprägten endogenen Depression
beschrieben.
Es gibt heutzutage aber auch eine Reihe von “abgeschwächten” endogenen
Depressionen, die weniger deutliche Symptome aufweisen und dadurch schwerer zu
erkennen sind.
Diese abgeschwächte Depression - Melancholia Mitis genannt - ist leider nicht
mit einer abgeschwächten Selbstmordgefahr verbunden.
Im Gegenteil: bei dieser Form der Depression fällt die Hemmung weg, dadurch ist
ein wichtiger Faktor nicht gegeben, der dem Selbstmord im Wege steht.
Behandlungsmöglichkeit der endogenen Depression
Da es sich bei der endogenen Depression um eine organisch bedingt
Depressionsform handelt, wird der Arzt zur Primärbehandlung Medikamente - in
diesem Fall Antidepressiva - verschreiben.
Diese bewirken im Ablauf weniger Wochen ein Abklingen der Depressionsphase.
NEUROTISCHE DEPRESSION
Die neurotische Depression verläuft - anders als die endogene Depression - nicht
in Phasen, sondern ist ein chronischer Prozeß.
Auch der Tagesablauf eines neurotisch Depressiven ist völlig anders als der
eines endogen Depressiven:
Der neurotisch Depressive fühlt sich oft am Morgen am besten, sein Zustand wird
dann aber im Verlauf des Tages immer schlechter.
Bei dieser Art der Depression findet man auch keinen absoluten Pessimismus,
keinen Grübelzwang, keine andauernde Selbstvorwürfe und fast keine
hypochondrischen Ideen.
Die neurotische Depression zeigt keine körperlichen Symptome, da sie auf keine
Stoffwechselstörung im Körper zurückgeht.
Betroffene klagen jedoch manchmal über Schlafstörungen, die aber psychologisch,
nicht organisch zu begründen sind. Man spricht hier vom “Etappenschlaf”, d.h.
die Menschen schlafen sehr unruhig und wachen öfters auf.
Grundsymptome der Neurose
Die Neurose ist grundsätzlich ein Konflikt zwischen bewußten und unbewußten
Trieben, die in unserem Inneren stattfinden.
Durch Verdrängung des Triebwünsches wird der Konflikt scheinbar gelöst. Diese
Verdrängung hat aber ein unbewußt bleibendes Schuldgefühl zur Folge, welches die
Tendenz zur Selbstschädigung und Eigenbehinderung in sich trägt.
Man unterscheidet verschiedene Symptome, durch die diese Krankheit
gekennzeichnet ist:
Ambivalenz
Man spricht von Ambivalenz, wenn man einer Person gegenüber unterschiedliche
Gefühle, z.B Haß und Liebe, verspürt. Die negativen Gefühle werden aber im
Unbewußten gehalten, das bedeutet, daß man sich der starken Ablehnung nicht
bewußt ist.
Neurotische Angst
Wenn die verdrängten unbewußten Tendenzen sich langsam in das Bewußtsein
vorschieben, so wird dieser Vorgang als enorm beunruhigend erlebt. Daraus
resulitiert eine irrationale - d.h. sie hat nichts mit dem Verstand zu tun,
sondern wird durch verdrängte Gefühle ausgelöst - neurotische Angst.
Neurotisches Minderwertigkeitsgefühl
Menschen, die sich von anderen als nicht geliebt fühlen, sind nicht mehr
imstande, eine gute, natürliche, gesunde Beziehung zum eigenen Ich aufzubauen.
So kommt es zu einer Verunsicherung des eigenen Ichs, man fühlt sich
minderwertig und benötigt die Hilfe der Mitmenschen, um das Selbstwertgefühl
wieder aufzubauen.
Dieses Minderwertigkeitsgefühl kann in ein Gefühl der Sinnlosigkeit der eigenen
Existenz münden.
Neurotisches Schuldgefühl und die daraus resultierende neurotische
Selbstbestrafungstendenz
Wenn z.B. ein Kind seinen Eltern gegenüber Haßgefühle entwickelt, diese aber im
Vorbewußten hält, so können starke Schuldgefühle entstehen, die sich gegen die
eigene Person richten. Auf Grund dieser unbewußten Schuldgefühle entwickelt sich
die unbewußte Selbstbestrafungstendenz.
Bedürfnis, die neurotische Konfliktsituation durch immer neue Symptome
symbolisch darzustellen
Indem unbewußte Triebe verdrängt werden, kommt es zu einer “Scheinlösung”, da
die verbotenen Triebwünsche nicht ausgelebt werden können. In neurotischen
Symptomen werden diese Triebe symbolisch zum Ausdruck gebracht.
Neurotische Proteste äußern sich vor allem in:
psychosomatischen Erkrankungen
allen Formen der Sucht
Eßgewohnheiten
Kriminalität
Spielleidenschaft
Provokation von Unfällen
Kriegsbereitschaft
Entstehung der neurotischen Depression
Die neurotische Depression geht nicht auf eine Stoffwechselstörung zurück.
Neurotische Depressionen können aus einer Vielzahl von Gründen entstehen.
Grundsätzlich nimmt man aber zwei Wege an, die zu einer solchen Depression
führen können:
* ungelöste seelische Konflikte
* chronische neurotische Lebensverunstaltung
Ungelöste seelische Konflikte
Schlummern in einem Menschen bewußte und unbewußte Wünsche oder Triebe, die
einander widersprechen, so führt dies zu Konflikten, die zunächst nicht lösbar
sind.
Je länger nun dieser Konflikt erlebt wird, desto intensiver und somit
depressiver wird er. Der Betroffene ist sich der wahren Ursache seiner
Depression nicht bewußt und kann dadurch auch nichts dazu beitragen, um seinen
Zustand zu verbessern.
Leider sehen daher viele Depressive als einzigen Ausweg aus diesem Teufelskreis
den Selbstmord.
Neurotische Lebensverunstaltung
Die neurotische Depression wird als Konsequenz einer über lange Zeit andauernden
neurotischen Lebensverunstaltung gesehen, die sich durch schwere Neurotisierung
in der Kindheit ausgezeichnet hat.
Die neurotische Lebensverunstaltung drückt sich in drei Stadien aus:
a) Verkümmerung und Verlust der expansiven Kräfte
Die Menschen verlieren ihr Vertrauen zu sich selbst, anderen gegenüber etc. So
werden sie immer mehr entmutigt, bis sie sich selbst nichts mehr zutrauen und
nichts mehr anstreben.
b) Stagnation
Der Betroffene ist auf starre, gleichbleibende Verhaltensmuster fixiert, er
entdeckt somit nichts Neues mehr, ist nicht mehr lernfähig und hat das Gefühl,
daß ihm alles mißlingt. Dadurch kommt ein Gefühl der Ausweglosigkeit zutage,
welches wiederum leicht zum Suizid führen kann.
c) Regression
In diesem Stadium ist der Depressive nicht mehr fähig, aktiv tätig zu werden, er
leistet keinen Beitrag mehr zur Gestaltung des Lebens in der Gemeinschaft.
Gleichzeitig aber ist der Betroffene äußerst abhängig von seiner Umwelt, er
möchte geliebt werden, ist aber nicht mehr fähig, selbst zu lieben. In weiterer
Folge fühlt sich der Kranke von seiner Umwelt nicht verstanden und alleine
gelassen, was wiederum dazu führt, daß er sich mehr in sich zurückzieht, sich
weiter von den Mitmenschen entfernt und immer isolierter wird.
Behandlungsmöglichkeit der neurotischen Depression
Bei neurotischen Depressionen wird die Psychotherapie angewendet, da diese
Depressionsform auf einem seelischen Konflikt zwischen unbewußten und bewußten
Trieben basiert.
EXOGENE DEPRESSIONEN
Unter exogenen Depressionen versteht man alle Verstimmungszustände, die durch
äußere Faktoren zustande kommen.
Äußere Faktoren sind z.B.: Schicksalsschläge,
Unglücksfälle etc.
Es herrscht also eine belastende Situation vor, die der Betroffene aktiv durch
seinen persönlichen Beitrag bewältigen muß.
Im Normalfall klingt diese Form der Depression mit der Zeit ab.
Dauert eine exogene Depression länger als ein paar Monate an, so handelt es sich
wahrscheinlich bereits um eine neurotische Depression.
Die exogene Depression zeichnet sich durch eine Vielfalt von Symptomen aus (z.b.
Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung, verringerte Konzentrationsfähigkeit,
Gespanntheit...), jedoch ist der Betroffene von diesen Symptomen leicht
ablenkbar.
Exogene Depressionen bringen oft Nebenerscheinungen wie Herzklopfen, innere
Unruhe und Angst, Magen-Darm-Beschwerden etc mit sich, die auf Irritationen des
vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind.
Die exogene Depression wird als harmloseste aller Depressionsformen angesehen,
trotzdem darf sie nicht unterschätzt werden.
ALTERSDEPRESSION
Durch das Altern wird der Mensch vor ein schwieriges Problem gestellt. Wenn die
Altersadaption nun mißglückt, wird man in eine depressive Verarbeitung gedrängt.
Im Alter erlebt der Mensch, daß ständig bestimmte Körperfunktionen nachlassen,
er erlebt Funktionsverluste, hat Schmerzen und Krankheiten. All dies kann leicht
zu einer hypochondrischen Grundhaltung führen, da der alternde Mensch ständig
damit konfrontiert ist, daß ein erneuter Funktionsverlust eintreten könnte.
Alte Menschen fühlen sich weiters oft entwertet, ihrer Würde beraubt, da sie in
unserer Zeit oft degradiert und nicht mehr wichtig genommen werden. Daraus
entwickelt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Nutzlosigkeit, das in
Verbindung mit der Depression auftritt.
Alte Menschen verlieren weiters zunehmend den Kontakt zu ihren Mitmenschen (z.B.
durch Tod von Freunden), wodurch sie sich immer einsamer und isolierter fühlen.
Behandlungsmöglichkeit der Altersdepression
Da bei der Altersdepression hauptsächlich die Symptome der endogenen Depression
vorhanden sind, wird eine medikamentöse Behandlung angewendet. Eine Besserung
der Situation ist aber nur dann zu erwarten, wenn der Patient lernt, mit der
Tatsache des Alterns umzugehen. Der Arzt muß also alle Faktoren, die für eine
gelungene Altersadaption wichtig sind, berücksichtigen.
PRÄSUIZIDALES SYNDROM nach Erwin Ringel
Das präsuizidale Syndrom besteht aus drei Symptomen:
EINENGUNG
Das Symptom der Einengung kann man in 4 Formen unterteilen:
Situative Einengung
Das Vorstadium zur situativen Einengung ist die situative Not, die als Folge
verschiedener Faktoren auftreten kann.
Gründe dafür können sein:
* Erleben eines Schicksalschlages
* geringfügige psychische Traumen
* systematische Herbeiführung durch eigenes Verhalten
* der Betroffene glaubt, situative Hoffnungslosigkeit in Situationen zu
entdecken, die aber in Wirklichkeit gar nicht besteht
Durch die Reaktion des Menschen auf diese situative Not kann sich die situative
Einengung ergeben.
Der Patient befindet sich im Zustand der situativen Einengung in einer
Situation, der er sich hilflos ausgeliefert fühlt. Diese Situation wird als
erdrückend und überwältigend angesehen.
Der Betroffene fühlt sich immer mehr von allen Seiten eingedrängt, er hat das
Gefühl, auf nichts mehr Einfluß nehmen zu können und fühlt sich in weiterer
Folge allen weiteren Situationen hilflos ausgeliefert.
Wie kann man nun das Auftreten der situativen Einengung verhindern?
Der Betroffene muß lernen, die situative Not positiv zu verarbeiten. Um das zu
erreichen, muß als erstes das Selbstvertrauen des Kranken gestärkt werden. Er
erkennt, daß er selbst aktiv werden muß, um sein Leben gestalten zu können.
Wichtig dabei ist aber, daß sich der Betroffene nicht alleine gelassen fühlt, er
muß Hilfe und Unterstützung durch seine Mitmenschen erleben können.
Einengung der Wertwelt
Hier bei handelt es sich um eine Reduktion des Selbstwertgefühls und um Reduktion
der persönlichen Wertbezogenheit.
Der Betroffene hat das Gefühl, wertlos und unwichtig zu sein, gleichzeitig
verliert er jede Beziehung zu Wert- und Interessensgebieten, alles ist ihm
gleichgültig.
Dynamische Einengung
Die Gefühle des Depressiven bewegen sich nur noch in Richtung der Depression,
die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die der Kranke empfindet, wird immer
intensiver und unerträglicher.
Die dynamische Einengung findet ihren Höhepunkt im Suizid - der Betroffene wird
regelrecht in den Selbstmord getrieben, er sieht keinen anderen Ausweg mehr, als
seinem Leben ein Ende zu setzen.
Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen
Oft verfügen die Betroffenen über viele Beziehungen, jedoch fühlen sie sich in
ihrem Inneren isoliert und alleine gelassen. Sie haben das Gefühl, keinem
vertrauen zu können und fühlen sich unverstanden.
Der Psychologe Martin Seligmann entwickelte die Theorie der “Erlernten
Hilflosigkeit”.
Sie bringt zum Ausdruck, daß Menschen hilflos reagieren, wenn sie keine
Kontrolle über negative Ereignisse ausüben können. Wiederholen sich diese
negativen Erfahrungen, so entwickeln die Menschen allmählich ein negatives
Selbstbild.
Sie verlieren ihr Selbstvertrauen und beurteilen all ihre Erfahrungen negativ,
selbst wenn sie objektiv gesehen positiv sind.
Erfolg wird nicht dem eigenen Können, sondern Glück oder Zufall zugeschrieben.
Für alle Taten, die die Person setzt, erwartet sie von vornherein Mißerfolg.
Aggression
Durch verschiedenste Enttäuschungserlebnisse entwickelt sich Frustration, die
oft nach außen nicht entladen werden kann. Im Menschen entsteht dadurch eine
ungeheure aggressive Kraft, die immer intensiver wird, bis es schließlich zur
Umkehr der Aggression gegen die eigene Person kommt.
Meist ist mit dieser Aggressionsumkehr auch die Absicht verbunden, an der
nächsten Umgebung Rache zu nehmen. Im Selbstmord wird diese Aggression
schließlich ausgedrückt, und damit auch oft die Rache an die Umwelt.
Selbstmordphantasien
Wenn die Realität immer unerträglicher wird, so passiert es leicht, daß man in
eine Phantasiewelt flieht. Diese Flucht führt aber dazu, daß die Diskrepanz
zwischen Phantasie und Wirklichkeit immer größer wird und bald nicht mehr zu
bewältigen ist. Schließlich machen sich die Phantasien selbständig und sind
nicht mehr zu kontrollieren. Gedanken, die zuerst erlösend und befreiend
wirkten, werden nun zur Bedrohung.
Selbstmordphantasien verlaufen immer in drei Stadien:
1) Zu Beginn stellt sich der Betroffene nur vor, tot zu sein.
2) Bald aber kreisen sich seine Gedanken immer mehr darum, wirklich Selbstmord
zu begehen. Dieser Gedanke wird nun aber immer konkreter und zwanghafter, die
Person kann sich von dieser Vorstellung nicht mehr lösen.
3) Schließlich überlegt der Betroffene, wie er den Suizid tatsächlich
durchführen kann.
Suizidgefährdete versuchen jedoch meist, die Umwelt auf ihre Situation
aufmerksam zu machen, indem sie von ihren Selbstmordabsichten sprechen. Diese
Hilferufe werden aber leider nur zu oft nicht wahrgenommen und überhört, da sie
häufig verschlüsselt ausgedrückt werden.
In vielen Fällen hätte man den Suizid durch aufmerksames Zuhören und Eingehen
auf den Betroffenen verhindern können.
Ist ein Selbstmordversuch mißlungen, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß,
daß der Suizidversuch ein zweites Mal unternommen wird.
Jeder, der von Suizid spricht, ist selbstmordgefährdet!
Der Suizid wird von vielen Depressiven als letzter Ausweg aus ihrer
unerträglichen Situation gesehen, da sie keinen neuen Lebensmut schöpfen können.
Übliche Fehler und riskante Interventionen bei Suizidgefahr
* Latente suizidale Reaktionen übersehen
* Bagatellisierungen akzeptieren
* Zu schnelle Orientierung auf positive Veränderungen
* Abgenützte Beschwörungsformeln
* Provokationen
* Gründe für ein Weiterleben aufzählen
* Drohungen
* Das Problem Suizid aus den Augen verlieren
* Medikation
* Unangemessene Therapieziele
Was Kinder über den Tod wissen
Kinder denken über Leben und Tod in einer ganz anderen Art und Weise als
Erwachsene.
Sie machen keinen Unterschied zwischen Lebewesen und Dingen und sind der
Meinung, daß alles lebendig ist.
Kinder bis zu drei Jahren können sich unter dem Begriff “Tod” noch nichts
vorstellen, sie spüren jedoch, daß ihm eine große Bedeutung zukommt.
Im Alter von ca. fünf Jahren verbinden sie “Tod” mit Trauer und Leid, sie kennen
seine physischen Aspekte, betrachten diesen Zustand aber sehr sachlich, nicht
emotional.
Mit ca. 7 Jahren entwickelt sich ein reiferes Todesverständnis, die Kinder
reagieren emotional auf “Tod” und sind sich über die Endgültigkeit dieses
Zustandes im Klaren. Jedoch sind sie der Meinung, selber nie sterben zu müssen.
Allmählich beginnen sich die Kinder zu interessieren, was nach dem Tod passiert
und sie verlieren ihre Angst davor.
Mit ca. 12 Jahren haben die Kinder ein klares Verständnis darüber entwickelt,
was Tote von Lebenden unterscheidet.
Einige Fehler, die im Umgang mit depressiven Menschen häufig begangen
werden
* Oft werden Depressive aufgefordert, sich “zusammenzureißen”.
* Es wird versucht, dem Kranken seine depressiven Ideen auszureden.
* Dem Patienten wird eingeredet, daß es ihm gut geht.
BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN der DEPRESSION
MEDIKAMENTE
Antidepressiva
Die Wirkung oder Nichtwirkung von Antidepressiva tritt erst nach einem Zeitraum
von ungefähr 14 Tagen ein. Daher ist es sehr wichtig, daß der Kranke möglichst
rasch das Mittel bekommt, welches in seinem Fall wirksam ist.
Durch Antidepressiva kommt es zu einer stufenweisen Besserung, bis schließlich
die Heilung eintritt. Der Patient muß diese Tatsache wissen, damit er seine
Hoffnung während der der Behandlung nicht aufgibt.
Die Behandlung mit Antidepressiva wird so lange fortgesetzt, bis alle Symptome
der Depression verschwunden sind. Die Medikamente dürfen danach nicht sofort
abgesetzt werden, sondern es erfolgt eine langsame Reduktion.
Die antidepressive Medikation kann jedoch die seelischen Ursachen der
Depressionen nicht auflösen. Daher ist es immer ratsam, zusätzlich eine
psychotherapeutische Therapie anzuwenden.
Neuroleptika
Neuroleptika werden vor allem bei endogen Depressiven eingesetzt, die über
starke innere Unruhe klagen.
Die Wirkung dieser Medikamente ist stimmungsaufhellend, haben manchmal aber auch
einen dämpfenden Effekt.
Tranquilizer
Diese Medikamente wirken angstlösend und muskelentspannend.
Einige Tranquilizer besitzen auch eine schlaffördernden Effekt.
Achtung: Tranquilizer machen sehr rasch abhängig!
PSYCHOTHERAPIEN - siehe
Therapie
Kognitive Therapie (nach Beck)
Verhaltenstherapie (nach Kanfer)
Familientherapie
Psychodrama
Spieltherapie